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DS: Herr Melaouhi,
in den vergangenen 14 Tagen waren Sie Objekt und Ziel zahlreicher
politischer und publizistischer Kampagnen, die auch vor
Beleidigungen und Unterstellungen nicht zurückschreckten. Wie
erklären Sie sich diese Attacken?
Melaouhi: Vor über 20 Jahren wurde mein Patient Rudolf Heß in
Spandau ermordet. Ich war der einzige Augenzeuge des Verbrechens.
Zahlreiche juristische und medizinische Gutachten unterstützten
später das, was ich gesehen hatte. Gemeinsam mit dem Sohn des
ehemaligen Reichsministers, Wolf Rüdiger Heß, dem Verteidiger in
Nürnberg und späteren bayerischen Innenminister Dr. Seidl sowie dem
Pathologen Professor Dr. Wolfgang Spann versuchte ich 1988/89 fast
erfolgreich, in der Öffentlichkeit die These vom angeblichen Freitod
des Gefangenen zu widerlegen. Weltweit wurden damals Zweifel an der
offiziellen Version laut; damals war es auch noch möglich, daß ich
Sendern wie der BBC oder dem CBS in langen Interviews erklären
konnte, wie es sich tatsächlich zugetragen hatte, von Dutzenden von
internationalen Zeitungen ganz zu schweigen. Dennoch versandeten
unsere Anstrengungen damals mit einem Schlag, als die britische
Generalstaatsanwaltschaft die Weisung erhielt, diesbezügliche
Untersuchungen einzustellen.
Im vergangenen Jahr stieß ich zufällig im Internet auf den Film »Geheimakte
Heß«, in dem ein früheres Interview von mir so verarbeitet worden
war, daß es tatsächlich meine Aussage unverfälscht widerspiegelte.
Ich sah weiterhin, daß es Menschen gab, die erneut den Versuch
machten, den Mord ins Bewußtsein der Menschen hier in Deutschland zu
tragen, indem sie mit einem Lastwagen durch die Bundesrepublik
fuhren.
Dabei stieß ich auch auf den Historiker Dr. Olaf Rose, mit dem ich
nach einigen Recherchen schließlich Kontakt aufnahm. Bei der von mir
angebotenen Durchsicht der zahlreichen unbekannten Dokumente und
Kassiber schlug mir Dr. Rose spontan vor, meine Erinnerungen so
ausführlich wie möglich schriftlich niederzulegen. Da mir dies auf
Französisch einfacher erschien, erbot sich Herr Rose, das Buch ins
Deutsche zu übersetzen und die handschriftlichen Briefe und anderen
Zeugnisse von Rudolf Heß abzuschreiben und in ihren historischen
Kontext zu stellen.
Als nun bekannt wurde, daß diese Kassiber, die ich 1986 im Auftrag
und auf Wunsch des Gefangenen aus dem Gefängnis schmuggelte,
veröffentlicht werden würden, stand ich plötzlich inmitten eines
Trommelfeuer der Zeitungen, einem Gemisch aus Verdrehungen, Lügen,
Verleumdungen und Anfeindungen.
DS: Was ist denn nun das Besondere an den Kassibern?
Melaouhi: Heß schreibt dort, er wisse, daß er auf »legale« Weise
niemals entlassen würde. Und weiter: »Der einzige Weg, meine
Freilassung zu erzwingen, ist die Veröffentlichung meiner
Enthüllungen. Denn mit der Bekanntgabe meines Geheimnisses wird mein
Festhalten sinnlos.« Die Zeitungen, an die er sich damals wenden
wollte, die FAZ oder Die Welt, haben seine Briefe entweder nicht
erhalten oder nicht gedruckt. Die Briefe vom September/Oktober 1986
beweisen aber, daß er eben nicht lebensmüde war, sondern daß er mit
allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln darum kämpfte,
freigelassen zu werden. Scheinbar fürchten einige Leute die
Enthüllung seiner Geheimnisse.
DS: Man hat Ihnen auch vorgeworfen, gemeinsam mit Herrn Dr. Rose,
der ja im Mai diesen Jahres in den Parteivorstand der NPD gewählt
wurde, Veranstaltungen und Vortragsabende gestaltet zu haben, die
von der NPD organisiert worden seien. Was ist da dran?
Melaouhi: Herrn Dr. Rose habe ich Anfang des Jahres kontaktiert;
damals war er noch in keine Parteifunktion gewählt worden. Ich habe
mich deswegen an ihn gewandt, weil ich an dem Film »Geheimakte Heß«
und an mehreren Publikationen feststellen konnte, daß ich es hier
mit einem Fachmann auf dem Gebiet der Heß-Forschung zu tun hatte,
der zudem aufrichtig an der Aufdeckung der Wahrheit interessiert
war. Dr. Rose übersetzte mein Buch außerdem als Historiker in seiner
Freizeit und nicht als Mitarbeiter der NPD.
Dies ist scheinbar den BRD-Medien nicht vermittelbar, obwohl es doch
ganz einfach zu verstehen ist, denn ein CDU-Abgeordneter, der im
erlernten Beruf Rechtsanwalt ist und während der Legislaturperiode
weiterhin Mandanten vertritt, der vertritt diese nicht als
CDU-Abgeordneter, sondern als Rechtsanwalt.
Was den Vorwurf betrifft, ich sei vor »rechtsradikalen« Kreisen
aufgetreten, so kann ich nur antworten, daß ich über all dort bereit
bin aufzutreten, wo man meine Zeugenschaft und meine Erlebnisse
hören möchte. Mir ist nur wichtig, daß ich als freier Bürger in
einem angeblich freien Land meine Meinung und die von mir
vertretenen Argumente frei äußern kann, ohne beleidigt oder
angepöbelt zu werden. Der Sache wegen wäre es sogar wünschenswert,
wenn Herr Dr. Rose und ich unseren Vortrag auch mal auf einer
Versammlung der CDU, der SPD, der FDP oder sonst einer Partei halten
könnten. Ich warte da auf Einladungen, damit man nicht über mich,
sondern mit mir redet...
DS: Warum führen Sie Ihren Kampf für die Wahrheit im Falle Rudolf
Heß so kompromißlos?
Melaouhi: Als Krankenpfleger von Rudolf Heß war ich am Ende auch die
letzte Vertrauensperson. Ich tat aus humanitären Gründen alles, um
das Leben dieses am Ende von so vielen Gebrechen gezeichneten
Greises von allen Schikanen zu befreien und ihm so viel
entgegenzukommen und zu helfen, wie nur irgend möglich.
Als Staatsbürger und als Freund habe ich die juristische und
moralische Verpflichtung, zur Aufklärung dieses Verbrechens
beizutragen. Dafür habe ich in den ersten Monaten nach der Tat
Drohungen der Briten, telefonische Morddrohungen und einen fast
tödlichen Autounfall ertragen. Was machen da schon der lächerliche
und unbegründete Rauswurf aus dem Migrationsbeirat
Berlin-Brandenburg und aus dem Migrations- und Integrationsbeirat
Berlin-Spandau sowie die erzwungene Aufgabe meiner Ämter in der von
mir gegründeten Tunesischen Vereinigung e.V., wenn es um die
Wahrheit geht.
DS: Und was erwartet uns in Ihrem neuen Buch?
Melaouhi: Zunächst einmal 16 Seiten packendes Bildmaterial mit
zahlreichen unbekannten Farbaufnahmen, fast 30 Seiten
handschriftlicher Erklärungen und Enthüllungen von Rudolf Heß in
Faksimile und Abschrift sowie viele kleine Geheimnisse des Alltags
und aus Gesprächen, die ein ganz anderes Bild von Heß zeichnen als
das, was in der Presse heute noch vorherrscht.
DS: Herr Melaouhi, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen
Ihnen viel Erfolg.

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A.
Melahouhi auf dem Areal des abgerissenen
Gefängnisses in Berlin-Spandau.
Hier stand das Gartenhäuschen in dem der
schreckliche Mord verübt wurde.
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Abdallah Melaouhi, geboren 1942 in Srai-Haidra, Tunesien, kam
1966 nach Deutschland. Nach erster beruflicher Tätigkeit als
Diplom-Kaufmann machte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger und
später Anästhesiefachpfleger. Von 1982 bis zu dessen Tod war er
der Pfleger von Rudolf Heß, den er täglich mehrmals sah. Bis zu
seiner Verrentung 2002 arbeitete er im Spandauer Krankenhaus als
Krankenpfleger. Wegen seiner Aktivitäten um die Aufklärung der
Todesumstände von Rudolf Heß wurde er in den letzten Wochen aus
zahlreichen ehrenamtlichen Ämtern herausgedrängt. In seinem
jetzt erscheinenden Buch bricht er sein Schweigen und
veröffentlicht zahlreiche unbekannte Gespräche, Fotos, Dokumente
und Kassiber.


Article:
http://www.46jahre.de/pfleger.html
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