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obenstehende Original-Text in lesbare Druckschrift
übertragen:
„Prometheus
Deutschland! Auch wenn du niemals von deinem Felsen dich
entkettest, wenn dein dem Gotte verschuldetes Blut in
Schmach und Schmerzen über die Erde strömt, leide, leide
den großen Segen, der den Wenigen, den Starken erteilt
wird. Ringe nicht mehr um Glück, denn dir ist anderes
beschieden. Nicht Rache, nicht Einrichtungen, nicht
Macht und nicht Wohlstand kaufen dich los. Sei, was du
warst, was du sein sollst, was zu sein du niemals
vergessen durftest. Sei gehaßt und hasse nicht, sei
verhöhnt und verteidige dich nicht.
Simson Deutschland!
Dein Auge ist blind, deine Stirn ist kahl. Wende deinen
Blick in dich, wende deine titanische Kraft gegen dich
selbst. Du wirst die Säulen der Erde nicht zerbrechen.
Das Gericht ist nicht dein. Drehe die Mühle der
Philister und singe das Lied Gottes.
Ahasver
Deutschland! Du hast nicht Macht zu sterben. Deutsche
Füße werder über die Erde ziehen und Heimat suchen. Du
wirst ein bitteres Brot essen, und deine Heimat wird
nicht deine Heimat sein. Von fremden Türen werden sie
dich jagen wegen des Abglanzes in deinen müden Augen.
O du Deutschland!
Geliebt in deinem törichten Wahn, zehnfach geliebt in
deinem gottvergessenen Irren und Laster, zehntausendfach
geliebt in deinem schmachvollen Leiden, was weißt du von
deinem Schicksal? ...Du bist verhaftet und verfallen,
und wenn die Hände der Menschen dich loslassen, so
fällst du in die Hände Gottes."
(...) Was wir
erleben und verwirklichen, ist ein Teil der ewigen
Zeugung des immerwährenden Weltbrandes, der die Stoffe
umwälzt, um Geist zu entbinden."
Juni 1919
Walther Rathenau,
deutscher Außenminister; niedergeschrieben im Juni 1919;
veröffentlicht in seinem Buch "Kritik der dreifachen
Revolution", erschienen 1920, S. 66-67