
Jungmannen auf dem Schloßhof in Plön

Der Leiter der NPEA Plön SA-Standartenführer Hermann Brunk

Wandrelief im Eingang des Plöner Schlosses mit dem Leitspruch der
Anstalt

Zeugnis der NPEA Plön aus dem Jahre 1942
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Am 21. April 1933 berichtete
das Ost-Holsteinische Tageblatt, der Reichskommissar Bernhard Rust habe
verfügt, "die drei ehemaligen Kadettenanstalten in Plön, Köslin und Potsdam
gemäß ihrer Tradition in ‚Nationalpolitische Erziehungsanstalten' im Sinne
der ‚nationalen Revolution' umzubilden. Der Lehrkörper sei entsprechend neu
zusammenzusetzen und bei den Schülern auf eine angemessene Auslese zu achten.
Die Schülerkleidung sei die Hitleruniform. Im Zuge der "Machtergreifung"
waren 1933 am "Führergeburtstag" (20. April) die drei ersten
Nationalpolitischen Erziehungsanstalten gegründet worden. NPEA lautete das
offizielle Kürzel. Im Volksmund setzte sich jedoch der Begriff Napola durch.
Bei Kriegsende gab es 43 Napolas, drei davon für Mädchen.
Mit der Annexion Schleswigs und Holsteins
durch Preußen 1867 hatte König Wilhelm I. angeordnet, im
Schloß Plön eine "Kadettenvoranstalt" einzurichten. Hier wurden 10-
bis15jährige Jungen schulisch und militärisch so weit vorgebildet, daß sie
anschließend auf die preußische Hauptkadettenanstalt nach Berlin-Lichterfelde
wechseln konnten. Im Versailler Vertrag war ein Verbot des preußischen
Kadettenkorps verhängt worden. Die Anstalt in Plön wurde darauf am 10. März
1920 aufgelöst. Die Aufnahmebedingungen der Staatlichen Bildungsanstalt als
Nachfolgeinstitution zeigen die Orientierung an den Kriegsfolgen. Ehemalige
Kadetten, Söhne von Gefallenen und schwerbeschädigten Kriegsteilnehmern,
Auslandsdeutsche und Söhne von Familien aus den durch den Versailler Vertrag
abgetretenen Gebieten sollten bevorzugt aufgenommen werden. Der neue
Direktor, Konrad Wienbeck, vertrat erzieherische Positionen, die orientiert
waren an der Weimarer Demokratie. Die Zusammenlegung mit dem Plöner
Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium mag die zivile Ausrichtung weiter
gestützt haben. Nachdem bereits Wienbecks Nachfolger Dr. Friedrich Teichert
seit 1928 verstärkt auf eine nationale Ausrichtung des Unterrichts Wert
gelegt hatte, wurde mit der Errichtung einer NPEA bewußt mit den Zielen
Wienbecks gebrochen. Teichert mußte gehen und wurde durch den ehemaligen
Polizeimajor SA-Standartenführer Hermann Brunk ersetzt.
Die Einrichtung bekam zu Ehren des SA-Stabschefs
den Namen "NPEA Ernst Röhm". Nach der Ermordung Röhms 1934 hieß sie nur noch
schlicht "NPEA Plön". Ausgelegt war die Napola für 264 sogenannte "Jungmannen".
Die Schüler wurden in elf Züge, die etwa Klassen entsprachen, und zwei
Hundertschaften gegliedert. Elf Erzieher sollten zugleich Erziehungs- und
Unterrichtsdienst leisten. Es wurde streng darauf geachtet, daß das "Führerprinzip"
eingehalten wurde. Schülerselbstverwaltung, -vereine, Lehrerausschuß und der
Elternbeirat wurden mit der Gründung der Napola abgeschafft.
Die Aufnahme wurde in einem aufwendigen
Verfahren geregelt. Die Nachfrage für Plätze in der bevorzugt ausgestatteten
NS-Eliteeinrichtung war groß. Von 2.000 Bewerbern wurden 1934 nur 120 zum
Aufnahmetest zugelassen. Die zweitägige Prüfung bestanden schließlich 70.
Das wichtigste Kriterium war die "rassische Eignung". Die Aufnahme bedingte:
"arische Abstammung, einwandfreie Charaktereigenschaften, volle körperliche
Leistungsfähigkeit (keine Brillenträger), mindestens durchschnittliche
geistige Begabung." Die Bewerber stammten aus allen Teilen des Reiches. Die
Söhne von Beamten und Selbständigen waren gegenüber denen von Arbeitern
deutlich überrepräsentiert, was dem Anspruch, alle "Volksschichten"
gleichmäßig berücksichtigen zu wollen, widersprach.
Grundlage für den Unterricht war der
Lehrplan der deutschen Oberschulen. Auf Wehrsport und Leibesübungen wurde in
der Stundentafel deutlich mehr Gewicht gelegt, während der
Fremdsprachenunterricht erheblich eingeschränkt wurde. Im Schloßpark
entstand eine Hindernisbahn mit einer Eskaladierwand, und hinter dem
Prinzenhaus wurden Schützengräben für die vormilitärische Ausbildung
ausgehoben. Deutsch, Geschichte und Biologie wurden als ideologisch
interessante Fächer mit erweiterter Wochenstundenzahl ausgestattet. Die im
Deutschunterricht behandelten Werke sollten gemäß ihrem "Wert für Rasse,
Volk und gegenwärtige Lage" ausgewählt werden. Hans Grimms "Volk ohne Raum"
oder Werner Beumelburgs "Mit 17 Jahren in Verdun" mögen als Beispiele für
den Lektüreplan gelten. Alfred Rosenbergs "Mythus des 20. Jahrhunderts"
wurde in der nationalpolitischen Arbeitsgemeinschaft gelesen und besprochen.
Der Religionsunterricht wurde 1938 ganz abgeschafft. Appelle, Geländemärsche,
Sonnenwendfeiern sowie Nachtübungen standen auf dem Programm. Sie
begeisterten viele "Napolaner" besonders, das auch, weil sie von besonders
ausgewählten und meist jungen Pädagogen geführt wurden.
Als Vorbereitung auf führende Positionen im
NS-Staat und der "Stärkung der Volksgemeinschaft" dienten Praktika in Plöner
Handwerksbetrieben, Einsätze bei der Ernte sowie in Bergwerken. Unter Tage
sollte die nationalsozialistische Weltanschauung der Jungmannen erstmals mit
der oft gegensätzlichen Einstellung der häufig katholisch geprägten
Bergleute konfrontiert werden und sich dabei bewähren. Eine ähnliche
Funktion hatte auch der "Landdienst im Grenzland". Das "deutsche Volkstum"
sollte in der Konfrontation mit "fremdvölkischen Minderheiten" gestärkt
werden. Die Auslandsfahrten der Jungmannen in den Sommerferien führten fast
ausschließlich in nordische Länder oder Länder mit deutscher Minderheit. Der
erlebnis- und handlungsorientierte Unterricht führte bei den meisten
Jungmannen zu einer Identifikation mit der NS-Ideologie. Das spiegelte sich
auch in den Berufswünschen der Napolaner: Offizier in einer Elitedivision
der Wehrmacht, SS-Führer, Wehrbauer im Osten oder Jurist.
Bevor die alliierten Truppen Plön
erreichten, wurde die NPEA Plön am 23. April 1945 geschlossen. Die
Jungmannen wurden, soweit möglich, in ihre Heimatorte geschickt oder bei
Familien im Umland untergebracht. Vorher scheint der Leiter Brunk verhindert
zu haben, daß Jungmannen gegen die herannahenden Briten aufgeboten wurden.
Brunk und die meisten Erzieher wurden von den Briten in Neumünster-Gadeland
interniert.
Karsten Dölger (1001)
Quelle: Matthias Paustian, Die
Nationalpolitische Erziehungsanstalt Plön 1933-1945, in: Informationen zur
Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 26 (1994), S. 3-100.
Bildquelle: Archiv Karsten Dölger |